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Auf dem Landweg nach Australien

Auf dem Landweg nach Australien

By | 2017-10-12T11:30:43+00:00 September 21st, 2017|Reiseberich|0 Comments

Nach einer gefühlt unendlichen Zeit der Vorbereitung sind wir jetzt auf dem Landweg nach Australien über Russland und Asien. Na klar gibt es auch ein paar Fährverbindungen, denn ganz ohne Wasser kommen wir da nicht durch.

Wir werden dabei Länder durchfahren, die wir nur aus dem Fernsehen kennen oder von denen wir bisher nur mal den Namen gehört haben.

Wir mussten schon häufiger Google Maps bemühen, wo denn das eine oder andere Land überhaupt liegt. Hätte ich man besser in Erdkunde aufgepasst.

Auf dem Landweg nach Australien | Karte

Russland , Kasachstan, Usbekistan, Kirgistan, China, Myanmar, Assam, Bhutan, Nepal, Indien, Bangladesch, Nagaland, Manipur, Myanmar, Laos , Vietnam, Kambodscha, Thailand, Malaysia, Singapur, Indonesien, mit Borneo, Jawa, Bali, Lombok, Sumbawa, Flores, Timor Leste, Darwin Australien.

Die Strecke beträgt ca. 45 bis 50.000 km und als Zeitrahmen ist ein Jahr veranschlagt. Das kann sich aber nach oben oder unten noch verschieben, da man nie weiß, welches Land sich gerade wie verändert. Nach dem Tod des Königs in Thailand war erst einmal Schluss mit ausländischen Fahrzeugen in dem Land. Inzwischen hat sich das Land wieder geöffnet, allerdingst nur gegen eine Permit-Gebühr von 600€ pro Fahrzeug.

Da wir mit erfahrenden Guides unterwegs sind, die diese Länder bereits mehrmals bereist haben und über ein weitverbreitetes Netzwerk verfügen, haben wir dort ein gutes Gefühl. Wenn man diese Reise alleine unternehmen wollte, bräuchte man die doppelte, wenn nicht dreifache Zeit der Vorbereitung und dann wäre man noch nicht einmal sicher, dass man es schafft. So werden wir abends „gebrieft“, mit Roadbook incl. Sehenswürdigkeiten ausgestattet, die man sich auf der Strecke anschauen kann.

Wir erhalten auch ein Navi mit den jeweiligen Koordinaten. Am wichtigsten ist der neue abendliche Treffpunkt. Wir fahren nicht im Konvoi, da einige der Teilnehmer senile Bettenflucht betreiben und bereit um 5:00 Uhr morgens vom Platz rollen. Da will nicht jeder mitmachen. So kann jeder losfahren, wann er will und sich auch nur das anschauen, was ihm in seinen kulturellen Horizont passt.

Die Gruppe besteht aus einem Guide-, 20 Teilnehmerfahrzeugen und einem Werkstattwagen. Trotzdem ist jeder für sein eigenes Fahrzeug verantwortlich. Es gab für die Teilnehmer eine Liste mit allen Ersatzteilen, die mitzuführen sind. Der Ersatzteilmensch von Mercedes-Benz in Flensburg hat mir zum Abschied noch ein kleines Radio und andere Werbegeschenke vermacht.

Daran kann man ungefähr erkennen, wieviel ich für alle Ersatzteile ausgegeben habe. Früher habe ich nicht einmal einen Kalender bekommen. Zur Aufteilung der Truppe ( 60% Deutsche und 40% Schweizer) und den verwendeten Fahrzeugen werde ich in späteren Reiseberichten erzählen.

Die Tour beginnt offiziel in Riga. Dort treffen wir auch die anderen Teilnehmer wieder. Kennengelernt haben wir die ganze Truppe ja schon im Vorbereitungsseminar, dass über drei Tage ging. Dort haben wir 15 Visa-Anträge unterschrieben, 45 Passfotos (unser Fotograf war begeistert) und zwei Reisepässe abgegeben. Das Fahrzeug wurde begutachtet und noch Tipps gegeben, was noch alles einzubauen und zu ändern sei. Es sind so banale Dinge dabei, wie Kraftstofffilter mit Wasserabscheider, da der Diesel, den wir unterweg bekommen, nicht immer ganz astrein ist.

Zu kämpfen haben am meisten die neuen Fahrzeuge mit Euro 6 Norm (meiner gehört leider auch dazu). Da wir durch Länder fahren, bei denen es für das deutsche Wort „Schadstoffklasse“ gar keine Übersetzung gibt, haben wir es mit schlechtem und sehr schwefelhaltigen Diesel zu tun. Da die Euro 6 Kisten empfindlich und zickig sind wie Rennpferde, erwarten wir auch Probleme mit dem Dieselpartikelfilter, der auf Schwefel nicht gut zu sprechen ist. Auch Höhen von 4000 Metern (in denen wir auch fahren) mag der Euro 6 Diesel nicht. Laut Daimler dürfen wir den Sprinter nicht längere Zeit in diesen Höhen bewegen.

Auf dem Landweg nach Australien | Wohnmobile

Besser sind die Fahrzeuge, die auch mit Magarine fahren. Denen ist das egal, was man in den Tank kippt. Ansonsten sind wir mit dem Sprinter gut ausgestattet. DerAllrad wird uns hoffentlich auch dort durchbringen, wo andere stecken bleiben.

Wir haben den Sprinter mit allem ausgerüstet, was geht, AT-Reifen, Solar, B2B-Lader, Inverter, Luftfederung, Hubstützen, zusätzlichem Trinkwassertank usw. Auch haben wir uns noch eine Dachklimaanlage gegönnt, die wir auch während der Fahrt über den Inverter betreiben können.

Da wir in subtropischen Gebieten unterwegs sind, mit Temperaturen von 40 und mehr Grad und einer sehr hohen Luftfeutigkeit, glaube ich, dieses gut gebrauchen zu können. Duschen nützt nämlich nicht so viel. Wenn du dich abgetrocknet hast, bist du schon wieder nass geschwitzt.

Anfahrt nach Riga in Lettland

Litauen und Lettland sind seit 2004 in der EU. Deutschland ist in der Fläche ca. 5 mal so groß wie jeweils die einzelnen Länder. Von den Einwohnerzahl aber 41 Mal soviel, 81 Mio. zu 2 Mio. Hier gibt es den Euro (das das Bezahlen so herrlich einfach macht (I love it)) und auch die Preise (Diesel 1,03€) sind wie bei uns.

In den Supermärkten finden wir teilweise deutsche Artikel. Heute war ich in einem Baumarkt in Lettland. Die Auswahl hat mich umgehauen. Da kann Bauhaus sich noch eine Scheibe davon abschneiden.

Sie fahren die selben Autos wie wir, haben neue Straßen, moderne Häuser und eine gute Infrastruktur. Gut, bei einigen Häusern und Straßen blitzt noch Ostblock-Feeling auf. In 10 Jahren werden sich diese Länder in Aussehen und Gestalt nicht mehr von uns unterscheiden.

Aber gerade bei der Diskussion über Grenzkontrollen a là Dänemark, ist es gut zu sehen, wie ehemalige Ostblockländer es geschafft haben, ohne Kontrollen auszukommen. Man fährt von einem Land in das andere, ohne vom Gaspedal gehen zu müssen. Es macht Mut, dass die restliche EU sich wieder auf ihre Stärke besinnt und sich nicht in Grabenkämpfen aufreibt.

Auf dem Landweg nach Australien | Karte

Die Anfahrt bis Riga war in Eigenregie. Wir sind mit der Fähre von Kiel nach Klaipeda in Litauen übergesetzt. Dort sind wir immer die Küste rauf über die Grenze nach Lettland bis nach Riga gefahren. Die beiden Länder haben eine super Küste und tolle unendlich lange Sandstrände wie auf Sylt, nur ohne Kurkartenkontrolleur. Teilweise werden diese sogar geharkt.

Der Strand hat feinen Sand ohne Steine, Muscheln und Seetank. Wie auf einem Prospekt. Wer Bernsteinsammler ist, kommt hier auf seine Kosten.

Auf dem Landweg nach Australien

Man muss aber früh aufstehen, da sonst der Strand schon von den Sammlern abgegrast ist. Birgit hat auch ein paar Steine gefunden, die gar nicht mal so klein waren. Leider ist Bernstein nicht viel wert, sonst hätte ich Birgit schon um 4:00 Uhr geweckt. Wir haben auch Ventspils besucht. Die Flensburger werden sich noch daran erinnern, wie unsere Stadtwerke in einem Joint Venture dort 3 Mio. Euro versenkt haben.

Die Hauptstadt von Lettland ist Riga, eine Metropole mit 700.000 Einwohnern, davon 60% Russen. Lettland war unabhängig, wurde dann von Schweden eingenommen, dann wieder unabhängig und 1942 von den Russen vereinnahmt. Erst seit 1989 wieder unabhängig. Von daher sind die Russen hier nicht sehr beliebt.

Riga war eine Hansestadt und wird auf Grund seiner Jugendstil-Häuser auch das Paris des Ostens genant. Laut Stadtführer liegt das Durchschnittseinkommen bei 2.300 €, Mieten in normaler Lage bei ca. 500 €. Grundnahrungsmittel sind günstig.

Ein Kilo Kartoffeln 15ct, Weißbrot 80ct und eine Kugel Eis 40ct (in Riga-City Touripreis 1,20€). Es gibt aber auch die andere Seite mit teuren Restaurants, exquisiten Boutiquen und edlen Luxusschlitten. Es ist eine sehr saubere Stadt mit vielen gepflegten Parkanlagen.

Grenzübergang nach Russland und Fahrt nach Moskau

Auf dem Landweg nach Australien | Karte

Am 1.9 sind wir von Riga aus über Estland nach Russland eingereist. Grenzübergänge sind für uns Europa- Verwöhnten ja immer etwas gewöhnungsbedürftig. Bis wir die 22 Fahrzeuge über die Zollabfertigung gebracht haben, sind 5 Std. rum. Dabei sind meine Vorurteile nicht bestätigt worden. Die Grenzbeamten waren freundlich, konnten sogar lächeln und waren um eine schnelle Abfertigung bemüht. Teilweise können sie Deutsch sprechen und es gibt auch deutsche Formulare. Das ist schon sehr hilfreich, da kyrillisch für uns nicht lesbar ist.

Es gibt hier den Witz: „In Russland gibt es Bären und schlechte Straßen. Den Bären habe ich gesehen, aber Straßen?“ Also, die Hauptstraßen sind gut bis sehr gut. Bei den Nebenstrecken wird die Milch im Kühlschrank zu Butter geschüttelt. Dafür macht das Tanken Spaß. Zwar läuft die Betragsanzeige der Zapfsäule so schnell, dass man die Zahlen nicht erkennen kann (1 Liter kostet 39 Rubel). Aber umgerechnet kostet der Liter nur 0,54 €.Die Supermärkte haben hier rund um die Uhr auf. Grundnahrungsmittel sind hier sehr sehr günstig (10 Eier 0,45€) Wir waren am Sonntag vormittags einkaufen.

Auf dem Landweg nach Australien
Auf dem Landweg nach Australien

Neben Lebensmitteln hatte ich auch ein paar Bierdosen auf das Band gestellt. Diese wurden vom Personal wieder heruntergenommen und weggebracht. Waren wir zu jung??? Da wir die Dame auch nicht verstanden, waren wir etwas irritiert. Später stellte sich heraus, Alkohol darf nur in der Zeit von 11:00 bis 20:55 Uhr verkauft werden. Ansonsten sind die Regale genauso gut gefüllt wie bei uns.

Die Sanktionen der EU kann ich hier nicht feststellen. Es gibt alle Waren und das noch in einer unglaublichen Vielfalt. Männer haben in Russland nur eine Lebenserwartung von 58 Jahren.

Ob nun der Wodka schuld ist oder ein gefährlicher Job, haben wir nicht rausbekommen. Es ändert sich aber etwas in der Gesellschaft. Die Jugend von Russland lebt gesünder und trinkt wenig bis keinen Alkohol in der Woche, dafür am Wochenende …

Moskau

Auf dem Landweg nach Australien

Moskau ist eine Megacity. Unglaublich groß, wie alles hier in Russland. Die Straßen in Moskau haben vier bis fünf Spuren und sind rappel voll. 15 Mio. Einwohner (da ist Hamburg mit 2 Mio. nur ein Vorort) Wie überall in Russland liegt das Neue und Alte dicht zusammen. Entweder das Haus ist neu oder alt und verfallen. Auch die Straßen sind neu oder mit Teerflicken übersät. Die Stadt ist extrem sauber. Selbst in der Metro liegt nicht eine einzige Zigarettenkippe.

Auf dem Landweg nach Australien

Auch wirkt die Metro nicht wie bei uns eine Bahnhofshalle, sondern ist teilweise aufwendig mit Kunst, Marmor, Mosiken usw. verziert. Hier kostet die Fahrt umgerechnet 0,80 €. Dafür kann man mit dem Ticket aber 24 Std. fahren, egal wohin. Ansonsten ist Moskau modern (die Frauen haben hier genauso viele Löcher in der Jeans wie bei uns), laut und hektisch. In Russland heißt es“Moskau ist nicht Russland“

Anfahrt nach Wolgograd (früher Stalingrad)

Auf dem Landweg nach Australien

Auf dem Weg nach Wolgograd haben wie in einem Kosakendorf übernachtet. Dort haben uns die Dorfbewohner abends zu einem andestypischen Essen mit Umtruck eingeladen. Dazu hatten sie sich in Schale geschmissen und ihre alten Uniformen und Trachten angezogen.

Der oben genannte Umtrunk bestand aus selbstgebranntem Wodka (60% plus X). Dort mischen sie noch Apfel und Banane dazu. Sehr lecker. Das Problem bei dem Schnaps: er hatte irgendwie so eine Art Zeitzünder.

Plötzlich hat es einem die Füße weggezogen. Einige Teilnehmer hatten Schwierigkeiten ihr Fahrzeug zu finden. Man hat uns auch als Kosake aufgenommen.

Das Ritual dazu war, ein Glas Woska von einem Säbel zu trinken. Wir haben zwar gegenseitig kein Wort verstanden, haben uns aber prächtig unterhalten.

Auf dem Landweg nach Australien
Auf dem Landweg nach Australien

In Wolgograd dreht sich sehr viel um die Schlacht von Stalingrad. Wir haben wir den Soldatenfriedhof besichtigt, wo die Namen der beteiligten Soldaten in Steintafeln verewigt sind. Wenn man dann seinen eigenen Nachnamen dort findet, ist dass schon ein sehr
beklemmendes Gefühl.

Wir hatten in der Stadt eine Reiseführerin namens Olga, wie auch sonst, sie war ca. 1,50 m groß und studierte Germanistin. Die konnte so schnell reden, dass wir ihr intern den Namen „Stalin- Orgel“ gegeben haben.

Ihren Lieblingsspruch „total erbitterte Kämpfe“ haben wir gefühlt 1000 mal gehört. Es gibt eine Gedenkstätte für die Schlacht um Stalingrad mit einer Ehrenwache und der „Mutter Heimat“, die genauso groß ist wie die Freiheitsstatue in New York.

Da die Stadt im Krieg völlig zerstört wurde, gibt es hier, im Gegensatz zu Moskau, keine alten Paläste und Häuser.

Auf dem Landweg nach Australien

Versteht mich bitte richtig, die Häuser, die wir gesehen haben, sind schon alt, aber haben mehr so den Plattenbaustil. Die Stadt liegt ja an der Wolga, aber nur auf einer Seite. Wolgograd hat eine Länge von, aufgepasst, 100 km. Man glaubt es kaum, aber wir haben auf einem Hotelparkplatz gestanden und sind 75 km aus der Stadt rausgefahen.

Im nächste Reisebericht geht es dann nach Kasachsan und Usbekistan. Dort werde ich dann von unglaublich schlechten Straßen berichten.

Auf dem Landweg nach Australien
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